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KLEINE HANDSCHELLENKUNDE

Hier gibt es ein paar nützliche Informationen und Grundwissen zu verschiedenen Arten und Eigenschaften von Handschellen.

Über die Details der Schlösser und Materialien gehe ich hier aber nicht ein, weil mich das relativ wenig interessiert und weil ich keine Möglichkeit habe, die innere Mechanik einzusehen. Auch Beschreibungen von Öffnungsversuchen ohne Schlüssel kommen hier gänzlich zu kurz, aus ähnlichen Gründen. Andere Sammlerseiten gehen auf diese Dinge aber ziemlich ausführlich ein, siehe dort. Auch Geschichte und Hersteller sind nicht Thema dieser Seite. Auch dazu gibt es viele Informationen auf Seiten anderer Sammler.

 

Handschellen angelegt bekommen

Bei Anlagebetrug in Sachen Edelmetalle und Schmuck sind in Edelstahl investierte Mittel...

...stets gut "angelegt"!

 

Zunächst betrachte ich mal "Standardhandschellen". Darunter verstehe ich gewöhnliche zeitgemäße Handschellen im offiziellen Einsatz wie man sie kennt mit folgenden Eigenschaften:

Die Schellen sind eben und relativ dünn, der innen liegende Schlosskasten mit Mechanik und Schlüsselloch ist fest mit einem Doppelbogen verbunden, an dessen Ende er mit einem drehbar gelagerten Einzelbogen verbunden ist. Dieser hat an seiner Außenseite Zacken, die entlang einer Kreisbahn angeordnet sind, deren Mittelpunkt die Drehachse ist, die die Bögen miteindander verbindet (siehe Schemazeichnung links). Diese Zacken rasten beim Durchdrehen im Schlosskasten in federnd gelagerte Gegenzacken, der Ratsche, ein. Damit können verschiedene Größen eingestellt werden. Diese Ratsche kann mehrere Zähne haben (siehe Schemazeichnung mitte). Die Zahl der Verschlusspositionen ist die Zahl der Zähne des beweglichen Bügels und die der Ratsche zusammen minus 1. Im gezeigten schematischen Beispiel: 5+2-1=6 Positionen.

  

Verbunden sind die beiden Einzelschellen an ihren Schlosskästen entweder mit einer Kette, die meist zwei, seltener drei, Kettenglieder hat, oder auch mit nur einem Ring ("Kettenglied"), oder mit einem Scharnier, das meist zwei parallele benachbarte Drehachsen, seltener nur eine Drehachse, hat. Andere Verbindungstechniken wie Drehbolzengelenke ("Kardan") oder ganz starre Verbindungen sind sehr selten.

Modelle mit Kette haben meist Rotationsteile ("Wirbel"), meist je eines an der Verbindung der Kette mit den Schlosskästen oder selten in der Mitte, wobei sie dort oft selbst die Verbindung darstellen. Diese Teile gewährleisen eine freie Rotationsdrehung der Schellen gegeneinander (Torsion) und Verhindern ein Verkanten der Kette.

Modelle mit Kette lassen drei Freiheitsgrade zu: Horizontal- und Vertikalkippen sowie Verdrehen (Torsion), das bedeutet, man kann die Schellen innerhalb der Länge der Kette beliebig gegeneinander bewegen. Modelle mit Scharnier haben nur einen Freiheitsgrad, nämlich Horizontalkippen, das bedeutet, man kann sie so gegeneinander klappen, dass die Schellen deckungsgleich aufeinander zu liegen kommen, wobei "zweiachsige" Modelle nach beiden Seiten, "einachsige" Modelle aber nur nach einer Seite voll , nach der anderen um höchstens 90° geklappt werden können, dabei ist die eine Achse dezentral angeordnet (siehe Schemazeichnung rechts, Schmalseitenansicht - links: beidseitig klappbar, rechts: nur rechts klappbar).

 

 

   

Mit einem etwas aufgesetzten Lächeln quittiert eine Gaunerin die Konfrontation mit dem unerwarteten Gegenstand.

 Auch ihr befreiendes Lächeln und ihr aufschlussreiches Angebot bewirken kein Entfernen ihrer Handschellen.

 

Die beiden Einzelschellen wiederum können identisch oder links-rechts-verschieden, also symmetrisch, sein. Daraus ergeben sich auch verschiedene Möglichkeiten, sie zu verbinden. Auf den Bildern im Folgenden sind viermal Kettenhandschellen (oben) und viermal Scharnierhandschellen (unten) dargestellt. Jeweils links innerhalb einer Kategorie sind zwei identische, jeweils rechts sind zwei symmetrische Schellen verwendet worden. Dabei sind bei den Kettenhandschellen die beiden linken Versionen und die beiden rechten Versionen jeweils wegen der freien Verdrehbarkeit identisch. Bei den Scharnierhandschellen ist das nicht der Fall, dort sind vier verschiedene Modelle dargestellt, die es bis auf das rechte obere auch alle in der Praxis mehrfach gibt.

Beachte, dass es sich um Schemazeichnungen handelt, bei denen die Schellen Kreise darstellen, was in der Praxis nicht vorkommt. Der Zackenkranz ist auf einem gesonderten Kreisausschnitt mit Mittelpunkt außen am Drehpunkt innerhalb des Schellengehäuses zu denken.

 
 


Da die Scharniermodelle in ihrer Lage festgelegt sind, ergeben sich bei Verwendung zweier identischer Schellen zwei Möglichkeiten der Anordnung (links), nämlich die beiden Schlüssellöcher auf einer Seite, wobei die Drehbögen auf verschiedenen Seiten sind und beide im Uhrzeigersinn drehen, oder aber die beiden Drehbögen auf einer Seite und die Schlüssellöcher auf verschiedenen Seiten, wobei die Drehbögen unterschiedliche Drehrichtungen haben. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile

Fast alle Standardhandschellen haben darüber hinaus eine Vorrichtung zur manuellen Feststellung des drehbaren Bogens im angelegten Zustand. Dies ist die Arretierung oder die Verriegelung oder die Doppelsicherung. Diese Vorrichtung verfolgt zwei Ziele: Erstens ist es ein zusätzlicher Schutz vor Befreiung, zweitens verhindert sie das versehentliche - oder absichtliche - Verengen der Schellen und der damit verbundenen Quetschungen, was zum Öffnen durch das Begleitpersonal nötigen könnte.

Diese Verriegelung wird je nach Modell auf unterschiedliche Weise aktiviert, entweder mit dem Schlüssel, meist mit einem kleinen Stift am Griff, seltener durch eine Schlüsseldrehung selber, oder mit dem Finger durch Druck auf eine entsprechende Taste. Beide Varianten haben, reziprok, Vor- und Nachteile, das heißt, des einen Vorteil ist des anderen Nachteil und umgekehrt. Schlüsselaktivierte Sicherungen können durch unkooperatives Verhalten des Opfers unterbunden werden, weil die Schellen relativ ruhig gehalten werden müssen. Fingerbetätigte Arretierungen können dagegen vom Opfer selbst schon vor der Prozedur betätigt werden, was ein Anlegen der Handschellen von vornherein unmöglich macht, sie müssen erst wieder aufwändig durch Lösen der Arretierung reaktiviert werden.

Standardhandschellen haben meist einen kleinen Schlüssel mit einfachem Bart, meist ein Hohlschlüssel, manchmal ein Vollschlüssel, seltener ein Flachschlüssel. Meist ist er nur von je einer Seite einzustecken. Neuere deutsche, sowie auch bisherige tschechische, Modelle haben gemäß einer "Technische[n] Richtlinie" jedoch beidseitigen Schlüsselzugang, das heißt, es gibt auf beiden Seiten des Schlosskastens Schlüssellöcher. Auch das hat natürlich Vor- und Nachteile. Es erleichtert nämlich nicht nur dem Wachpersonal, sondern auch dem Opfer das Öffnen, sofern es in den Besitz des Schlüssels gelangt ist oder es ein ähnliches Werkzeug hat. Besonders gravierend ist dieser Nachteil bei Scharniermodellen, die bei einseitigem Schlüsselzugang so angelegt werden konnten, dass dieses von der Hand weg, Richtung Ellbogen, zeigt und der Zugang durch das Opfer also blockiert war, was durch zweiseitigen Zugang als Vorteil weg fällt.


   

Ein kleines Mädchen wollte in einem Drogeriemarkt in einem Einkaufszentrum ein Paar Spielzeughandschellen mitgehen lassen und wurde vom Ladendetektiv ertappt. Es verließ das Geschäft dennoch mit Handschellen, jedoch mit echten.

 

Auch diese Filialleiterin flog nach mehreren Fällen auf, in denen sie Kunden vermeintlich Diebesgut zugesteckt hatte, um sie zu erpressen. Vor den verdutzten Kunden wurde sie abgeführt - in Handschellen!

 

Optisch gibt es Standardhandschellen oft pro Modell entweder in rostfreiem Edelstahl ohne Beschichtung oder aber in einfachem Stahl, glanzbeschichtet, meist mit Nickel.

Viele Standardhandschellen haben je eine Führungsrille auf jeder Seite der beiden durchschwingenden Bögen. Sie ist konzentrisch zu den Zackenreihen angeordnet, hat also denselben Mittelpunkt wie die Kreislinie, auf der die Zacken angeordnet sind, aber einen geringeren Durchmesser. Diese Rille ist die Schiene für einen erhöhten Punkt im Schlossgehäuse, der sich damit in der Rille entlang bewegt. Damit soll verhindert werden, dass sich die Handschellen in Längsrichtung aufbiegen lassen und die Zacken aus der Ratsche gehoben werden können.

Neben Standardhandschellen sind heutzutage auch viele Handschellen mit Sicherheits- (Zylinder-) Schlössern im Einsatz, entweder als einziger oder als zusätzlicher (Arretierung) Verschluss. Die Übergänge zu Standardhandschellen sind fließend.

 

   

Sie hat in einer Kunstgalerie heimlich Fotografien von den Ausstellungsobjekten gemacht, um Abzüge davon verkaufen zu können. Sie wurde ergrifffen.

 

Sie zeigt der konsternierten Menge herzklopfend und mit gequältem Gesichtsausdruck ihre Hände: "Sehen Sie, ich kann nichts mehr anstellen, ich bin in Handschellen!"

 

Früher gab es klar von der heutigen Standardform abweichende Bauarten. Verstellbare Modelle mit mehreren Rasterstufen hatten einen Anschlag, sie konnten also nicht durchdrehen und mussten vor dem Anlegen erst geöffnet werden, meist mit dem Schlüssel. Dies betrifft viele amerikanische Handschellen aus der Western-Ära, aber auch britische und deutsche.

Erwähnenswert sind jedoch vor allem die nicht verstellbaren Handschellen aus Großbritannien, die im 19. Jahrhundert verbreitet waren, die sogenannten Darby-Handschellen, die je aus einem Schellenbogen und einem außen liegenden zylindrischen Klappverschluss bestehen, der mit einem Schraubschlüssel geöffnet wurde und beim Schließen einschnappt. Die Verbindung, die meist aus zwei Ringen und einem Rotationsteil dazwischen besteht, befindet sich meist zwischen den Schellenbögen. Diese sind manchmal auch direkt miteinander verbunden. Es gibt sie auch als verstellbare Varianten, in stählern und glänzend und von zahlreichen Herstellern.

Verwendungstechniken

 

   

 

 

Handschellen können auf unterschiedliche Art angewendet werden. Natürlich kommt in jede der beiden Schellen eine Hand! Dabei gibt es aber mehrere Möglichkeiten, je nach Stellung der Hände zum Körper. Am gebräuchlichsten ist es, die Hände vor dem Körper zusammen zu schließen ("auf dem Bauch", erste Zeichnung). Dies entspricht unserer natürlichen Handposition, da wir als Abkömmlinge vierbeiniger Arten, deren Vorderbeine auch bäuchlings angeordnet sind, die Hände nunmal vorne gebrauchen. Dies beinhaltet natürlich einen erheblichen Rest-Aktionsradius vom Bauchnabel bis über den Kopf (roter Bereich in der Skizze, Seitenansicht).

Die Alternative ist, die Hände hinter dem Körper zusammen zu schließen ("auf dem Rücken", zweite Zeichnung). Wegen der Anatomie des Schultergürtels ist dies der äußerste Punkt des Aktionsradius, der wegen des davor liegenden Körpers jedoch nicht weiter ausgeschöpft werden kann (gelber Bereich in der Skizze, Seitenansicht). Ein Nach-Vorne-Drehen über den Kopf ist anatomisch bedingt nicht möglich. Dies ist daher besonders sicher, da die Hände hinter dem Gesäß weitgehend in ihrer Position fest gelegt sind.

Auch können mit Handschellen zwei Personen an den Händen miteinander verbunden werden, zwei Gefangene oder ein Gefangener mit einer Aufsichtsperson. Dabei können zur Erleichterung der Fortbewegung zwei unterschiedliche Hände (eine rechte und eine linke) oder zur besonderen Erschwernis zwecks Fluchtverhinderung zwei gleiche Hände (beide rechte oder beide linke) aneinander geschlossen werden.

Theoretisch können auch einer Person die Hände zwischen den Beinen aneinander geschlossen werden, sodass eine Hand vor und eine Hand hinter dem Körper ist, was eine besondere Einschränkung der Bewegungsfreiheit aber auch eine schwierige Fortbewegung bedeutet und in der Praxis wohl kaum vorkommt.

Kombinationen mit Fußschellen oder Führgriffen sind möglich. Fußschellen haben in der Regel eine Kettenlänge, die nur noch Watschel- oder Tippelschritte, aber keine Laufschritte ermöglichen. Natürlich können die Hände dabei vorne ("auf dem Bauch", dritte Zeichnung) oder hinten ("auf dem Rücken", vierte Zeichnung) sein.

Scharnierhandschellen sowie solche mit ganz starrer Verbindung haben noch mehr Möglichkeiten: Man kann die Hände gleich- oder entgegengerichtet einschließen. Letzteres gilt als sicherer, ist aber weniger üblich. Bei Kettenmodellen können die Hände wegen der meist angebrachten Rotationsteile ("Wirbel") stets in die bequemste Lage gebracht werden.


   

Razzia bei einer Kaffeefahrt. Den alten Leuten waren hohchwertige Sachgewinne vorgegaukelt worden, die sich dann als minderwertige Massenware herausgestellt hat.

 

Die Ärztin demonstrierte Heizdecken und Antifaltencremes. Zusammen mit der Veranstalterin wurde sie vor den Augen der konsternierten Teilnehmer in Handschellen abgeführt !

 

English summary

Features of handcuffs

Please note: No informations about lockpicking, materials which are used and mechanics can be found here. That's I'm less interested in. Nor in history or manufacturors of handcuffs.

Discriptions:

"Standard handcuffs"

Those are handcuffs with swing-through-design. They are flat, the locking-case is next to the central chain or hinge. Each cuff of chain-linked models can be moved in either direction compared to the other. The cuffs of hinged models can not since they only can be folded against the corrsponding cuff. Chain-linkes items mostly do featere swivels which allow the cuffs to be rotated against each other. Also they do possess a double-lock feature which blocks the cuff after being applied for not enabling the prisoner to violate him or herself. This lock is to be activated by pushing down a button or a pin . Standard handcuffs often come in stainless steel or with nickel finish surface.

The two cuffs of one pair can be identical or there is one left handed and one  right handed cuff. In case of chain linked pairs there are two different variations, in case of hinged linked pairs there are four different variations, see picture above.

Non standard handcuffs

There are cuffs which differ from the type discribed above. Those for example are the old darby style handcuffs, western cuffs, stasi and gestapo cuffs and a lot of cuffs more.

Application, Use

Handcuffs can be used in several ways. One person's hands can be connected to deter the prisoner from doing wrong or attacking another person. The hands can be connected in front or behind the body which is less or more secure, see drawings above. Further, handcuffs can be attached to two persons, for example two prisoners, connecting the same hands (left - left or right - right) or different hands which is more or less secure and less or more comfortable in case of transport.

There are additional possibilities in case of using hinged handcuffs since hands can put into the cuffs in the same or in the opposite direction which seems to be less or more secure but also more or less beautiful in my opinion.

The use of handcuffs can be completed by the use of footcuffs (leg irons) which avoids escape or attacks by feet against persons. 


   

Zwei Freundinnen in pummeligen Kleidchen haben in der Fußgängerzone Spenden angeblich für ein Behindertenheim gesammelt.

 

Schnell flogen die Galgenvögel auf und wurden hübsch ordentlich beringt, was die eine noch einmal verbittert nach hinten blicken, die andere aber den Blick verschämt senken lässt.